Hier ist doch nicht so viel passiert wie versprochen. Das liegt daran, dass ich seit ein paar Wochen fremd gehe und nun sehr viel für das Musikmagazin SSSSOUND schreibe. Dort gibt es jeden Tag aktuelle News und dank vieler Autoren ein breites Spektrum an Musik. Nichts wie hin da.
Vielleicht sollte ich es einfach eine Sommerpause nennen, aber bei heißen Tagen treibt es mich auch nicht gerade an den Computer um hier etwas zu schreiben. Es wird aber noch wie versprochen nachgelegt.
Zwischen durch aber ein paar kurze Updates, so wie dieses.
Am Anfang dieses Sommer, als sich das Wetter noch nicht wirklich entscheiden konnte, erschien die erste EP von Numaads, ein Künstlerduo bestehend aus der Sängerin Esperanzah und dem Produzenten Sense. Erschienen ist das ganze auf dem wunderbaren Label Project Mooncircle. Viel gibt es zu den beiden nicht zu sagen außer klasse Stimme trifft feinste Beats. Sense versteht sein Handwerk, schließlich ist er normalerweise mit den Instrumentaltrio The Q4 unterwegs und er findet in Esperanzah die perfekte stimmliche Ergänzung zu seinem Soul & Old School Sound.
Für die erste EP ließ man sich auch gleich ein paar Remixe anfertigen, unter anderem vom Berliner Dubstep Meister Robot Koch. Den fand man dann wohl so gut, dass man ihn fürs Video verwendet hat, gute Entscheidung...
Es ist ja wirklich schon eine Weile her seit ich in diesen Blog gepostet habe. Ich könnte mich jetzt mit den vielen Reisen der letzten Monate oder der WM herausreden, allerdings wäre das auch nicht ganz ehrlich. Allerdings war ich mal wieder viel unterwegs in ganz Europa und wer viel unterwegs ist, hört auch viel Musik.
Der Vorteil ist jetzt natürlich, dass sich hier ein ganzer Stapel Musik aus aller Welt, über die es sich lohnt zu schreiben, angesammelt hat. Daher wird es in nächster Zeit auch wieder mehr geben und das sogar schnell hintereinander.
Zum Anfang gleich mal ein kleiner Geheimtip mit den Jungs von DTMD (Dunc & Toine Makin' Dollas). Diese zwei noch unbekannten Jungs machen nämlich feinsten Old School HipHop an dem es nichts zu meckern gibt. Die erste EP gibt es dann gleich umsonst und zwar hier:
Am 30. April ist es endlich soweit. Jesca Hoops neues Album "Hunting My Dress" wird endlich auch in Deutschland veröffentlicht. Hat ja auch nur 5 Monate gedauert, denn in England und den USA steht das Werk schon seit Dezember im Plattenregal. Als ungeduldiger Import-Käufer kann ich dafür aber schonmal vorgreifen.
Mal auf Anfang. Jesca Hoop war das Kindermädchen im Hause Tom Waits, der sie fortan auf ihrem musikalischem Weg unterstütze. Welchen Einfluss Herr Waits auf die musikalische Entwicklung von Frau Hoop hatte bleibt fraglich, abgeschaut hat sie sich auf jeden Fall den Mut zu ungewöhnlichen Arrangements. Schon auf dem ersten Album "Kismet" mischte sie fröhlich Musikstile durcheinander, immer gerade so wie es zum Lied und zum Text passte. Auch auf "Hunting My Dress" treffen Musikstile aufeinader, allerdings klingt hier alles mehr aus einem Guss. Das liegt unter anderem am Verzicht auf große Ausschweifungen, denn "Hunting My Dress" ist eindeutig minimalistischer als der Vorgänger. Ein bisschen Drums oder elektronische Beats, etwas Gitarre, ein Synth hier und da. Keine großen Orchester-Arrangments, lieber ein leicht verzehrter Streichersound im Hintergund. Jesca Hoop arrangiert mit Bedacht und lässt viel Platz für die Songs selbst.
Dabei wären wir natürlich schon beim wichtigsten Punkt, den Jesca Hoops Songs sind wie kleine Träume. Manche sind traurig, einige fröhlich und andere einfach merkwürdige Geschichten. Jede Geschichte bekommt ihren eigenen kleine Sound abseits der durschnittlichen Singer/Songwriter Folk Soundschablonen, so ist man auch von der sehr traditionellen Folk Nummer "Murder of Birds" richtig überrascht. Über allem schweben immer Frau Hoops angenehme Gesangs-Arrangements die mich manchmal ein bisschen an "Moon Pix" von Cat Power erinnern. Durch die minimalistischen Unterbauten wirkt das ganze Album fast ein wenig entrückt und entführt einen in eine eigene kleine Welt.
Eine Ideale Platte für Sontage und Regentage im allgemeinen. Wer Miss Kenichi oder Cat Power mag sollte auf jeden Fall mal reinhöhren...und alle anderen auch. Zum internationalen Start gibt es dann gleich ein Video und obwohl das Ausruckstanz-Gehopse von Frau Hoop etwas befremdlich wirkt ist "The Kingdom" als Song definitiv einer der Höhepunkte des Albums und daher eine gute Wahl.
Manchmal gibt es nicht viel über eine Platte zu sagen. Manchmal reichen Worte wie "Wahnsinn", "unglaublich" und "Meilenstein". Für die Zeitgeist EP trifft das alles zu. Die erste Kollaboration zwischen den Berliner Labels Project Mooncircle und Spoken View erfüllt alle Erwartungen die man an eine solche Platte haben kann.
Aber kurz mal zusammengefasst. Project Mooncircle ist ein Label welches sich vor allem auf internationale Künstler konzentriert und dessen Katalog auch Veröffentlichungen von US HipHop Underground Größen wie MF Doom und Scienz of Life beinhaltet. Vor allem die hervorragende Covergestaltung und der Hang zum Besonderen zeichnen das Label aus. Spoken View stehen hingegen für einige der besten deutschen HipHop Künstler der Gegenwart. Die Verbindung zwischen den beiden Labels ist der Blog Generation Tapedeck an dem Mitglieder beider Labels mitmischen. So kam es auch zur ersten Kollaboration, erstnal nur zwischen dem holländischen Rapper Joe Kickass und dem Leipziger Punchline-King Morlockk Dilemma. Zum Glück ließen es die beiden Labels nicht bei einem Song und so entstand eine ganze EP.
Es treffen desweiteren Damien Davies auf John Robinson, Sichtbeton auf Obba Supa und Hiob auf Lewis Parker. Jeder Track ist auf höchstem Niveau, jeder Rapper gibt seine besten Lyrics, mit "Roots and Foundations" gibt Damien Davies sogar seine persönlich Bestleistung ab. Die Beats passen wunderbar zu den jeweiligen Künstlern. Besonders gut zu erkennen ist das beim Sichtbeton/Obba Supa Song "Titans". Der Beat vom Sichtbeton Mann V.Raeter passt so gut zu Obba Supa, dass man sich fragt ob der Berliner nicht heimlich schon fürs letzte Obba Supa Album produziert hat.
Alles in allem kann man sich nur mehr Veröffentlichungen dieser Art wünschen und eine EP ist ja leider auch schnell durchgehört. Auf jeden Fall kann ich nur sagen: Sofort kaufen!
Melissa auf der Maur's Reise durch die Musikwelt hat schon viele Stationen gesehen. Zuerst Bassistin bei Hole, an deren Erfolgsablum "Celebrity Skin" sie massgeblich beteiligt war, dann später noch Tourbassistin von Smashing Pumpkins und dann...nichts. Plötzlich und ohne viel TamTam erschien dann 2004 ihre erste selbstbetitelte Soloplatte welche sich als kleines Meisterwerk entpuppte.
Melissa auf der Maur hatte die musikalischen Freunde der vergangenen Jahre gesammelt um, unter der Leitung von Stoner-Rock Experte Chris Goss, ein durchweg eigenständiges und mitreißendes Rockalbum zu schreiben, allem voran die Hymne "Followed the Waves". Wenn es einen Kritikpunkt gibt dann allerhöchstens, dass der Einfluss der von Song zu Song wechselnden Gastmusiker doch stark zu spüren ist. So haben Nick Oliveri, John Stanier, Chris Goss, Josh Homme und James Iha eindeutige Spuren auf dem Album hinterlassen.
Sechs Jahre später geht Melissa auf der Maur mit einem neuen Solo-Werk "Out of Our Minds" in die zweite Runde. Diesmal gleich mit einem Konzeptalbum inklusive Kurzfilm und Comic. Das ganze gibt es dann auch als ganzes Paket auf der eigenen Webseite zu erwerben. Aber auch das musikalische Werk alleine hat es wiedermal in sich. Auch diesmal hat Melissa auf der Maur musikalische Freunde versammelt und einige alte bekannte sind auch mit dabei, wie z.B. Chris Goss und James Iha aber auch neue und ungewähnlich Musiker finden ihren Weg auf das Album, wie z.B. Glen Danzig, der wohl überraschenste Gast der Plattte.
Auch ist der Einfluss der Gäste kaum noch spürbar. Melissa auf der Maur hat mit "Out of Our Minds" eine echte Solo-Scheibe hingelegt. Ihr Indie-Rock zwischen Clean-Gitarren-Melodien, schweren (meist nur halb-verzerrten) Riffs, Synthesizern, treibenden Drums und Bass plus den eigenwilligen Vocals ist eigenständiger als jeh zuvor.
Die Experiementierfreude ist auch gestiegen, was man vor allem bei den rein instrumentalen Stücken wie "The Hunt", "Lead Horse" oder "This Would Be Paradise" merkt. Und ja, das Duett mit Glen Danzig, "Father's Grave", ist ein wahrer Höhepunkt: tiefe Trommeln, schwere Gitarren, Melancholie und Atmosphäre pur.
Die obligatorische Hymne gibt es mit dem Titelsong "Out of Our Minds" auch. Nichts bleibt zu vermissen. Manche Künstler haben nunmal keinen hohen Output und zwischen zwei Alben liegen dann auch mal sechs Jahre, aber im Falle von Melissa auf der Maur stimmt auf jeden Fall die Qualität.
Ein kleines Bonbon zu Ostern gibt es von den Jungs von Spoken View & Project Mooncircle. Zwar wurde das Erscheinungsdatum der lange erwarteten Kollaborations-EP "Zeitgeist" noch um eine Woche verschoben und auch mein Review muss daher noch etwas warten, einen Vorgeschmack kann man sich aber beim Joe Kickass & Morlock Dilemma Video schon jetzt holen. Der Song wird natürlich auf der erwähnten EP zu hören sein und macht die Vorfreude nur größer. Na dann, Frohe Ostern!