The Airborne Toxic Event - The Airborne Toxic Event

Junger Autor gibt das Schreiben auf und verarbeitet die aktuelle Lebenskrise lieber in ein paar Songs. Zwei Jahre später von großem Musikmagazin als heißer Webact erkannt und nochmal zwei Jahre später folgt ein Album im Heimatland USA. Hohe Chartplatzierungen folgen und kurze Zeit später erscheint das Album auch in UK und nochmal etwas später im Rest Europas. Im Königreich des Indie-Rocks wird die Band hoch gelobt und gefeiert, Top 40 Platzierungen, Pre-Release Shows in ganz Europa, der Weg war vorbereitet für The Airborne Toxic Event und ihr gleichnamiges Debüt.

Als ich die Band auf einer der erwähnten Pre-Release Shows im Hamburger Mandarin Casino  mit zweihundert anderen Gästen gesehen habe, war uns allen klar, hier stehen die neuen Killers, die neuen Interpol, die neuen Superstars inklusive Drogenkarriere und Skandal-Ehen. Schön sie nochmal in so kleiner Runde zu sehen, das nächste Mal werden sie wohl eine Halle füllen.

Doch der Musikmarkt hat seine eigenen Regeln und sicherlich waren auf der folgenden Tour mehr als zweihundert Gäste anwesend, die größe der Location hatte sich jedoch kaum geändert. Was ist hier passiert? Fehlt es der Musik von The Airborne Toxic Event an Geradlinigkeit, schließlich deckt das Album von einfachen Rock'n'Roll Songs, wie etwa "Gasoline", bis zu großen pathetischen Konstrukten mit 80'er Jahre Einschlag, wie "Sometime Around Midnight"und Wishing Well", ein breites Spektrum ab. Sind die intelligenten Texte von Sänger und Ex-Autor Mikel Jollet zu düster oder einfach die rohen Emotionen, die einem auf dem ganzen Album entgegenschlagen, zu echt oder gar zu persönlich.

Vielleicht sticht hier ja auch der Blues etwas zu sehr heraus. Den The Airborne Toxic Event sind ein klassische Gitarrenband. Wenn man die Streicher, die Synthesizer, das räumliche Schlagzeug und die breiten, sphärischen Gitarrensounds mal als Fassade betrachtet sehen wir hier das Fundament: den Blues, den Rock'n'Roll. Und welche Musikform wäre besser geeignet um die eigenen Schicksalsschläge in die Welt zu schreien. Die Mischung der klar am modernen "Indie-Standart" orientierten Produktion und dem klassischen Unterbau der Songs macht die Band letztendlich so interessant und Live zu einer Wucht.

Schade, dass dieser Band bis jetzt der wohlverdiente Erfolg in manchen Ländern verwehrt blieb, andererseits bleibt so die Gelegenheit sie nochmals in kleinerer Runde zu sehen, bevor sie ganz groß werden, inklusive Drogenkarriere und Skandal-Ehen.






Electric Wire Hustle - Electric Wire Hustle

Das es Dinge gibt, die wir nicht verstehen ist vielen von uns seit Kindertagen geläufig. Das die Musikindustrie voller durchgedrehter Egomanen ist, die auch gerne mal den Erfolg guter Musik verhindern ist auch nichts Neues. Und auch wenn ich mich damit abgefunden habe keine Erklärung für den Erfolg des Einen oder den Nicht-Erfolg des Anderen zu haben, gibt es immer wieder Momente in denen ich nur staunen kann. Electric Wire Hustle ist so ein Phänomen.

Nicht, weil das Debüt des neuseeländischen Trios eines der großartigsten Soul Alben seit D'Angelos "Voodoo" ist. Nicht, weil die komplexen Songs von Taay Ninh, Mara TK und Myele Manzanza für Majorlabels uninteressant sein dürften. Nicht, weil gute Musik es manchmal eben schwer hat. Nein. Diese Argumente zählen nur, solange wir hier von einer seit Jahren schwierigen Nische sprechen. Erstzunehmende Soul Musik abseits der R Kellys und Alicia Keys dieser Welt. Diese Nische wurde jedoch vor einiger Zeit schon erfolgreich durch die Stone Throw Entdeckung  Mayer Hawthrone gefüllt. Seit Monaten liegen mir Bekannte mit dem Multiinstrumentalisten und Sänger in den Ohren. Zurecht, mögen einige sagen, auch wenn das finale Album nicht halten konnte, was die Vorab-Single versprochen hat. Ich antworte jedoch auf jeden gesendeten Link, der auf Mayer Hawthrone verweist, mit einem Link auf Electric Wire Hustle und dem Satz: "Nett, aber die sind besser!"

Electric Wire Hustle können einfach mehr. Hier wird nicht auf Retro-Sound gesetzt sondern alle Register moderner Produktionstechnik gezogen. Die Songs, die auf dem selbstbetitelten Album zu finden sind, haben eine Tiefe und Komplexität die Seltenheitswert besitzt. Zugegeben wird die Musik dadurch schwerer zugänglich. Für Electric Wire Hustle muss man sich Zeit nehmen, am Besten mit Kaffee oder Wein, zu zweit besser als alleine. Angenehm schweben dort Soul-Melodien über langsame, aber treibende Beats und Bass. Andere Instrumente, wie Bläser, Gitarren und diverse Synthesizer setzen nur Akzente oder sind Hintergrund. Auch Electric Wire Hustle werden von einem musikalischen Genius angeführt, stammt doch ein Großteil der Musik aus der Feder des EWH Oberhaupts Taay Ninh.

Wer "Voodoo" gefeiert hat und Mayer Hawthrone interessant findet sollte hier zugreifen. Zwar ist der Import-Preis ordentlich, dafür darf man einen echten Geheimtipp sein eigen nennen.




Fiva MC: Radio & Podcast Deluxe

Die Welt der Nina Sonnenberg aka Fiva MC könnte vielseitiger nicht sein. Rapperin, Poetry Slam Gewinnerin, Radio-Moderatorin, Label-Gründerin und  Buch-Autorin. 2002 erschien ihr erstes Album "Spiegelschrift" zusammen mit DJ Radrum und war definitv eines der großen Alben dieses Jahrgangs. Auch die Nachfolge-Alben "Kopfhörer"(2006) und "Rotwild"(2009) sind absolute Anspieltipps. Das Portfolio des mit DJ Radrum gegründeten HipHop Labels "Kopfhörer Recordings" kann sich mittlerweile auch sehen lassen und ihr 2007 erschienener Gedichtband "Klub Karamel", mit Auszügen ihrer Poetry Slam Texte incl. Spoken Words CD, ist mehr als nur einen Blick wert.

Besondere Freude bereitet Frau Sonnenberg allerdings mit ihrer Internet- und Radiopräsenz. Angefangen hat alles mit der Sendung Fivas Ponyhof des österreichischen Radiosenders FM4 . Hier stellt Fiva MC jeden Montag Abend zwischen 00:00 und 01:00 Uhr ihre Lieblingsplatten vor. Wer sich einmal von dem hervorragenden Musikgeschmack der Dame überzeugen möchte, der gehe einfach auf ihre Webseite [*] und schaue sich die Playlists vergangener Sendungen an. Diese schöne Stunde schickt mich nun schon seit langem jeden Montag schlafen und ich muss gestehen, dass mir wirklich etwas fehlt, wenn die Sendung mal Pause hat. Nicht nur eine Platte in meinen Plattenregal habe ich durch die Sendung kennengelernt.

Auf "Fivas Ponyhof" folgte der on3radio Podcast "Fivas Reim auf die Welt", ein monothematischer 14-Minüter der alle zwei Wochen mit musikalischen Gästen verschiedenster Genres aufwarten kann. Und als ob das nicht genug wäre, gibt es jeden zweiten Dienstag von 22:00 bis 00:00 Uhr noch die Sendung "Fiva on 3 - Das Leben ist eine Scheibe" bei selbigem Sender.

Da ich nun Podcast abonniert, FM4 gebookmarkt und nun auch jeder zweite Dienstag ausgebucht ist, habe ich bald Konto-Probleme bei den ganzen guten Musiktipps die auf einen einströmen.

Die geballte Information gibt es hier: http://www.fivasolo.de/radio



V.V. Brown - Travelling Like the Light

Was dröhnt da aus den Boxen eines Pubs bei meinem letzten London Besuch? Ein Popsong mit der Energie und der Klasse, die amerikanische Künstler selben Genres meistens vermissen lassen. Dann werde ich auch noch seltsam angeschaut als ich nach dem Song frage, denn schließlich handelt es sich hier um einen DER Newcommer aus 2009. Beschämt google ich nach und werde durch die Tatsache beruhigt, dass V.V. Brown, von der hier die Rede ist, in Deutschland weder Label noch Aufmerksamkeit erfahren hat.

Aber was haben wir da eigentlich. Farbige Sängering, Mitte zwanzig mit eigenwilliger Frisur, muss R'n'B sein. Model ist sie auch, mit eigener Modelinie, ergo schlimmer Plastik-R'n'B. Aber halt, ihre Vorbilder sind Aretha Franklin und Ella Fitzgerald, außerdem kommt sie aus UK = Amy Winehouse, passt auch zur Frisur und den 50er und 60er Jahre Klamotten.

Wäre da nicht die Tatsache, dass V.V. Brown auf ihrem Debüt "Travelling Like the Light" musikalisch dem 50er Jahre Rock'n'Roll viel näher steht als dem Retro Motown Sound der Kollegin Winehouse. Auch wird hier lieber verwandelt als kopiert. Es wird auch an keiner Stelle versucht den Charme und den Sound alter Platten nachzuahmen. Gleich beim ersten Song "Quick Fix" wird die Richtung klargestellt. In bester Grease-Manier werden hier die Rock'n'Roll Klischees aufgebrüht, während unter dem ganzen die Drums pumpen das selbst die Neptunes neidisch werden sollten. Miss Brown schafft auf "Travelling Like the Light" den Spagat zwischen Retro und moderner Popmusik beser als die meisten Künstler und versprüht dabei eine Energie die viele glattgebügelte Produktionen ihrer Kollegen, vor allem aus den USA, vermissen lassen.

Klassische R'n'B/Soul Nummer gibt es auch und gleich der zweite Song "Game Over", der einem die Old-School Samples nur so um die Ohren haut, erreicht eine Klasse die man zuletzt gerade mal bei der DJ Premier/Christina Aguilera Kollaboration "Ain't No Other Man" gehört hat. Selbst Soul-Kitsch-Ballade "I Love You" mag sich perfekt in das Album einpassen und bietet Verschnaufpause, bevor das Gaspedal wieder durchgetreten wird. Den auch das unterscheidet V.V. Brown von ihren Kolleginnen,  der Verzicht auf die 3,5 Durschnittsballaden pro Album. Dazu hat die Dame zuviel Spielfreude.

Thematisch rechnet Madame Brown auf der Scheibe mit ihrem Ex-Freund ab. Und mal ehrlich, wenn Trennungen immer so viel Spaß machen sollten wie der Song "Crying Blood" sollte man das einfach öfter mal machen. Im Falle von V.V. Brown ist dadurch eine hervorragende Platte entstanden.