V.V. Brown - Travelling Like the Light

Was dröhnt da aus den Boxen eines Pubs bei meinem letzten London Besuch? Ein Popsong mit der Energie und der Klasse, die amerikanische Künstler selben Genres meistens vermissen lassen. Dann werde ich auch noch seltsam angeschaut als ich nach dem Song frage, denn schließlich handelt es sich hier um einen DER Newcommer aus 2009. Beschämt google ich nach und werde durch die Tatsache beruhigt, dass V.V. Brown, von der hier die Rede ist, in Deutschland weder Label noch Aufmerksamkeit erfahren hat.

Aber was haben wir da eigentlich. Farbige Sängering, Mitte zwanzig mit eigenwilliger Frisur, muss R'n'B sein. Model ist sie auch, mit eigener Modelinie, ergo schlimmer Plastik-R'n'B. Aber halt, ihre Vorbilder sind Aretha Franklin und Ella Fitzgerald, außerdem kommt sie aus UK = Amy Winehouse, passt auch zur Frisur und den 50er und 60er Jahre Klamotten.

Wäre da nicht die Tatsache, dass V.V. Brown auf ihrem Debüt "Travelling Like the Light" musikalisch dem 50er Jahre Rock'n'Roll viel näher steht als dem Retro Motown Sound der Kollegin Winehouse. Auch wird hier lieber verwandelt als kopiert. Es wird auch an keiner Stelle versucht den Charme und den Sound alter Platten nachzuahmen. Gleich beim ersten Song "Quick Fix" wird die Richtung klargestellt. In bester Grease-Manier werden hier die Rock'n'Roll Klischees aufgebrüht, während unter dem ganzen die Drums pumpen das selbst die Neptunes neidisch werden sollten. Miss Brown schafft auf "Travelling Like the Light" den Spagat zwischen Retro und moderner Popmusik beser als die meisten Künstler und versprüht dabei eine Energie die viele glattgebügelte Produktionen ihrer Kollegen, vor allem aus den USA, vermissen lassen.

Klassische R'n'B/Soul Nummer gibt es auch und gleich der zweite Song "Game Over", der einem die Old-School Samples nur so um die Ohren haut, erreicht eine Klasse die man zuletzt gerade mal bei der DJ Premier/Christina Aguilera Kollaboration "Ain't No Other Man" gehört hat. Selbst Soul-Kitsch-Ballade "I Love You" mag sich perfekt in das Album einpassen und bietet Verschnaufpause, bevor das Gaspedal wieder durchgetreten wird. Den auch das unterscheidet V.V. Brown von ihren Kolleginnen,  der Verzicht auf die 3,5 Durschnittsballaden pro Album. Dazu hat die Dame zuviel Spielfreude.

Thematisch rechnet Madame Brown auf der Scheibe mit ihrem Ex-Freund ab. Und mal ehrlich, wenn Trennungen immer so viel Spaß machen sollten wie der Song "Crying Blood" sollte man das einfach öfter mal machen. Im Falle von V.V. Brown ist dadurch eine hervorragende Platte entstanden.